Archiv

2008

Nr. 1 (2008): Politik aus dem Glauben

Vor einigen Jahrzehnten schrieb Dorothee Sölle gegen die Verdrängung
des Glaubens aus der Praxis - wenn die Praxis als Frucht des Glaubens
theologisch verkannt wird. Zeitgleich warb Johann Baptist Metz für die
politisch-mystische Doppelstruktur christlichen Glaubens in der Nachfolge
Jesu. Gut vier Jahrzehnte später fragt e+g, unter deutlich veränderten gesell-
schaftlichen Bedingungen, nach dem innigen Verhältnis von Glauben und
politischem Engagement.

2007


2013

Titelseite

Nr. 2 (2013): Den Stall reinigen, aber kein Raum in der Herberge? Arbeitsmigration in Europa

Die Arbeitsmigration in Europa ist ein unbestreitbares Faktum – doch gleichzeitig überbieten sich Regierungsvertreter wie Großbritanniens David Cameron oder der damalige deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich in einer Rhetorik, die Migrantinnen und Migranten als 'Sozialhilfetouristen' denunziert. Angesichts der strukturell geförderten zunehmenden Auslagerung reproduktiver und fürsorgender Tätigkeiten (cleaning, cooking, caring) an schlecht gesicherte und noch viel schlechter bezahlte Migrantinnen erscheint diese Perspektive allerdings schlechterdings zynisch. Dass ein solcher Blick aber keineswegs alternativlos ist, zeigt Jan-Dirk Döhling in seinem exegetischen Beitrag über die Einübung des Perspektivwechsels – hin zum migrantischen Blick – in den Grunderzählungen Israels. Constanze Janda analysiert scharfsichtig die rechtlichen Probleme besonders der feminisierten Migration. Einen gleichsam 'offiziellen' Blick auf die europäischen Problemlagen und Handlungsoptionen wirft Hans Dietrich von Loeffelholz aus der Sicht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Petr Štica wendet sich in seinem Beitrag einem bisher nur wenig wahrgenommenen Phänomen zu: Er zeigt am Beispiel Tschechiens, dass die Länder Ostmitteleuropas nicht nur Emigrations-, sondern auch als Immigrationsstaaten darstellen und beschreibt die sich daraus ergebenden Problemlagen. Aus sozialethischer Perspektive schliesslich analysiert Hans-Ulrich Dallmann die Problemzusammenhänge und kommt dabei zu dem Schluss, dass nicht die Migrantinnen und Migranten, sondern der souveräne Nationalstaat den Kern des Problems der Migration ausmache – an die Stelle unilateraler Zugehörigkeitsregelungen müssten daher, so Dallmann, internationale Vereinbarungen über die menschenwürdige Gestaltung der Migration treten.

 

Für die Redaktion: Torsten Meireis und Frank Mathwig

Titelseite

Nr. 1 (2013): Der »spatial turn« der sozialen Gerechtigkeit

Räume werden gemacht. Und: Räume prägen soziale Verhältnisse, verteilen Lebenschancen und soziale Positionen, ergeben soziale Ungleichheiten. Weil aber beides zugleich gilt, wird die Raumgestaltung – u.a. von Edward W. Soja (»Seeking Spatial Justice«) - nicht nur unter den Maßstab der Gerechtigkeit gestellt, sondern dieser Maßstab von der Kategorie des Raumes neu bestimmt. Vorgeschlagen wird ein »spatial turn« der Gerechtigkeitstheorie. Auf diesen Vorschlag reagierend fragt diese Ausgabe von »Ethik und Gesellschaft«, wie relevant das Konzept der Gerechtigkeit für die gesellschaftliche Produktion von Räumen und das Nachdenken darüber ist. Und sie fragt, ob und in welchem Sinn das Konzept der Gerechtigkeit über die Kategorie des Raumes neu oder anders gedacht werden muss.

2014

Titelseite

Nr. 1 (2014): Politiken der Anerkennung

Nach den großen Debatten der politischen Philosophie in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ist es im gesellschaftsethischen Grundlagendiskurs ruhiger geworden. Die Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte gilt als beendet (und wenn doch noch jemand einen Beitrag dazu leistet, wird er als "jenseits der Liberalismus-Kommunitarismus-Debatte" apostrophiert), die Aufregung um Nussbaums Capabilities approach hat sich gelegt und die Dominanz von Rawls' Theorie der Gerechtigkeit als Fairness irgendwie verfestigt. Dabei ist mit der Anerkennungstheorie ein sozialethischer Ansatz neuformuliert und ausgebaut worden, der – wie die anderen politischen Philosophien der Gegenwart – an eine der großen Traditionen anschließen kann und gewiss sowohl für die liberale als auch für die neoaristotelische Schule Bedenkenswertes vorträgt. Zudem beziehen sich anerkennungstheoretische Überlegungen häufig unmittelbar auf gesellschaftspolitische Fragen wie auf die "Integration von Migranten" oder die "Inklusion von Menschen mit Behinderung". Diese Ausgabe von Ethik und Gesellschaft greift Fragen rund um die Anerkennungstheorie(n) auf und möchte damit Anregungen für den gesellschaftsethischen Grundlagendiskurs geben. Welche sind die wichtigen Motive der Anerkennungstheorie? Welche Folgen hat das für eine Politk der Anerkennung? Welche Probleme und Grenzen müssen benannt werden? Wie lässt sich die Anerkennungstheorie mit den großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen der Gegenwart in Verbindung bringen?

Für die Redaktion Christian Spieß und Katja Winkler

Nr. 2 (2014): Prekäre Arbeit

Das vorliegende Heft beschäftigt sich mit einem Phänomen, das es in Zeiten gefühlter Vollbeschäftigung zwar nur selten in die Headlines schafft, gleichwohl aber aktuell bleibt, wie nicht zuletzt auch das Themenheft dieser Zeitschrift zur Arbeitsmigration (2/2013) gezeigt hat: Die Rede ist von Prekarisierung, einem Konzept, das sich nicht nur auf ungesicherte Erwerbstätigkeit im strengen Sinne, sondern auch auf Arbeit in ungesicherten Zusammenhängen überhaupt bezieht.
Einführend bietet der Beitrag von Klaus Dörre einen Überblick des Prekarisierungskonzepts, das durch die Studien von Ueli Mäder, Michèle Amacker und Sabine Plonz auf verschiedene Kontexte hin konkretisiert und damit auch konzeptionell weitergeführt wird. Der normativen Fragestellung nach der Problematik der Prekarisierung widmen sich besonders die Aufsätze von Jähnichen und Meireis, während der Beitrag Sigrists Folgen für die sozialdiakonische Praxis zu skizzieren sucht.
Die Ausgabe steht in der lockeren Folge einer Berner Tagung, die im Herbst 2011 stattfand und den normativen Aspekt des Prekarisierungsproblems zum Thema hatte.  Aus Gründen, die mit der Struktur der Wissensproduktion zusammenhängen, die zuweilen auch gegenstandsferne Prioritäten erzwingt, ist bei einem Teil der Arbeiten zwischen Verfassung und Veröffentlichung zuweilen mehr Zeit vergangen, als Autorinnen und Autoren lieb sein kann, wofür die Redaktion Schreibende und Lesende um Nachsicht bittet: Das freilich ändert nichts an der Aktualität des Themas.

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